An album in the making

The Hidden
Verses

Deutsche Gedichte, verborgen in neuen englischen Jazzsongs. Keine Übersetzungen – musikalische Antworten.

Die Geschichte entdecken ↘
Albumcover The Hidden Verses von Baltic Lounge Lizard
Cover artwork · first edition

Poetry becomes sound · 2026

01 — Das Album

Was bleibt von einem Gedicht, wenn seine Worte verschwinden?

The Hidden Verses sucht nicht nach der korrekten Übersetzung. Das Album folgt der emotionalen Bewegung ausgewählter deutscher Gedichte und erzählt sie in einer neuen Sprache, einer neuen Zeit und einer eigenen musikalischen Welt.

Intimes Piano, warmer Kontrabass, Besen und ein lyrisches Tenorsaxophon tragen die Geschichten weiter. Das Saxophon wird zur zweiten Stimme: Es sagt, was der Text offenlässt, und übernimmt dort, wo Worte zögern. Der Zyklus verbindet zehn Gedichtverwandlungen mit einem eigenständigen musikalischen Epilog.

02 — Die Stücke

Alle zehn Gedichte sind zu Songs geworden. Ein Epilog führt ihre Wege zusammen.

Die Songs werden jetzt direkt im Browser abgespielt – ohne Verbindung zu SoundCloud und ohne Anmeldung.

I

Joseph von Eichendorff

Wünschelrute

A Song In Everything

Eine weit ausgreifende Jazzballade über den Augenblick, in dem die vermeintlich stille Welt ihre verborgenen Stimmen preisgibt und aus dem Lauschen ein machtvoller Gesang entsteht.

Staunen · Erwachen · Klang

Direkt anhören

A Song In Everything
Ohne Anmeldung
Gedicht und Verwandlungen lesen
Porträt Joseph von Eichendorffs
Historisches Porträt · Wikimedia Commons · gemeinfrei

Ausgangspunkt

Joseph von Eichendorff

Vier Blicke auf dieselbe innere Bewegung: vom historischen Gedicht über die freie Deutung bis zum Songtext und seiner deutschen Rückübersetzung.

01 — Original

Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen, Die da träumen fort und fort, Und die Welt hebt an zu singen, Triffst du nur das Zauberwort.

02 — Neuinterpretation

Die innere Erzählung

In allem, was ist, ruht ein Klang, den wir oft noch nicht erkennen. Manchmal dauert es ein Leben lang, ohne dass wir das innere Lied benennen. Doch wer es schafft, wirklich hinzuhören, wird sich über das bloße Sein erheben, muss sich nur auf die inneren Töne einschwören – dann wird er das höchste Glück erleben.

03 — English lyrics

A Song In Everything

At first I thought the world was still A sleeping road, an empty hill The trees stood silent in the rain The stones had never learned their names But underneath the quiet ground I felt the shadow of a sound A distant pulse, a trembling string As if the dark were listening I had no word to wake the air No map to find what waited there I only knew I had to stay And hear what silence had to say There is a song in everything In every stone, in every wing The world is only waiting there For someone who will learn to hear I walked beneath an open sky And heard the restless leaves reply A window breathed, a river called A thousand voices filled the walls The smallest flame, the deepest sea Were speaking in a tongue to me And every footstep on the road Released a note the silence held I never found the magic word It found me when I stopped to search And in the stillness of that day The hidden music found its way There is a song in everything In every stone, in every wing The world is only waiting there For someone who will learn to hear Now let the silence open wide Let every hidden voice arise We are the word, we are the flame We call the sleeping world by name There is a song in everything In every heart, in everything And we are more than what we seem We are the music and the dream And when the final echoes fall The song remains beneath it all Behind the night, behind the day It waits for us to find the way No world is silent, nothing sleeps The smallest sound is buried deep And if you listen, you will know The song was always there below

04 — Deutsche Rückübersetzung

Der englische Songtext auf Deutsch

Zuerst glaubte ich, die Welt sei still, ein schlafender Weg, ein leerer Hügel. Die Bäume standen schweigend im Regen, die Steine hatten ihre Namen noch nicht gelernt. Doch unter der stillen Erde spürte ich den Schatten eines Klangs, einen fernen Puls, eine zitternde Saite, als würde die Dunkelheit lauschen. Ich hatte kein Wort, um die Luft zu wecken, keine Karte zu dem, was dort wartete. Ich wusste nur, dass ich bleiben musste, um zu hören, was die Stille zu sagen hatte. In allem ist ein Lied, in jedem Stein, in jedem Flügel. Die Welt wartet nur darauf, dass jemand zu hören lernt. Ich ging unter einem offenen Himmel und hörte die unruhigen Blätter antworten. Ein Fenster atmete, ein Fluss rief, tausend Stimmen erfüllten die Wände. Die kleinste Flamme, das tiefste Meer sprachen in einer Sprache zu mir. Und jeder Schritt auf dem Weg befreite einen Ton, den die Stille bewahrt hatte. Ich fand das Zauberwort nie. Es fand mich, als ich aufhörte zu suchen. Und in der Stille jenes Tages fand die verborgene Musik ihren Weg. In allem ist ein Lied, in jedem Stein, in jedem Flügel. Die Welt wartet nur darauf, dass jemand zu hören lernt. Nun lass die Stille sich weit öffnen, lass jede verborgene Stimme aufsteigen. Wir sind das Wort, wir sind die Flamme, wir rufen die schlafende Welt beim Namen. In allem ist ein Lied, in jedem Herzen, in allem. Und wir sind mehr, als wir scheinen: Wir sind die Musik und der Traum. Und wenn die letzten Echos verklingen, bleibt unter allem das Lied. Hinter der Nacht, hinter dem Tag wartet es darauf, dass wir den Weg finden. Keine Welt ist stumm, nichts schläft, der kleinste Klang liegt tief verborgen. Und wenn du lauschst, wirst du erkennen: Das Lied war immer dort unten.

II

Heinrich Heine

Im wunderschönen Monat Mai

Springtime Feeling

Ein heller Jazzwalzer über das vorsichtige Erwachen der Liebe – hoffnungsvoll, offen und bereits von einer feinen Unsicherheit durchzogen.

Frühling · Liebe · Ungewissheit

Direkt anhören

Springtime Feeling
Ohne Anmeldung
Gedicht und Verwandlungen lesen
Porträt Heinrich Heines
Historisches Porträt · Wikimedia Commons · gemeinfrei

Ausgangspunkt

Heinrich Heine

Vier Blicke auf dieselbe innere Bewegung: vom historischen Gedicht über die freie Deutung bis zum Songtext und seiner deutschen Rückübersetzung.

01 — Original

Im wunderschönen Monat Mai

Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Knospen sprangen, Da ist in meinem Herzen Die Liebe aufgegangen. Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Vögel sangen, Da hab' ich ihr gestanden Mein Sehnen und Verlangen.

02 — Neuinterpretation

Die innere Erzählung

Bevor der Morgen es verstand, hatte der Mai seine ersten Boten ausgesandt. Ein wärmerer Duft lag in der Luft, er öffnete die Knospen der Blüten, und alles wandte sich dem Licht zu. Auch mein Herz ließ sich nicht mehr halten, die Sehnsucht nahm Gestalt an, die mich hin zu ihr führte, mich mit Freude und Liebe berührte. Und bevor der Augenblick vorüberging, solange mich das Verlangen umfing, alles in mir führte mich hin zu ihr.

03 — English lyrics

Springtime Feeling

Something changed before the morning knew A warmer wind was slowly moving through May came in with the whole world open wide Every garden turned its face toward the light And my heart wouldn't stay where it belonged Full of love and something just as strong I had to tell her before the moment passed Every road inside me was leading back to her

04 — Deutsche Rückübersetzung

Der englische Songtext auf Deutsch

Etwas veränderte sich, bevor der Morgen es wusste. Ein wärmerer Wind zog langsam hindurch. Der Mai kam, und die ganze Welt öffnete sich weit. Jeder Garten wandte sein Gesicht dem Licht zu. Und mein Herz wollte nicht bleiben, wo es hingehörte. Voller Liebe und etwas ebenso Starkem. Ich musste es ihr sagen, bevor der Augenblick verging. Jeder Weg in mir führte zu ihr zurück.

III

Heinrich Heine

Ein Fichtenbaum steht einsam

Under Different Skies

Ein treibender Swing über zwei einsame Wesen in gegensätzlichen Welten – verbunden durch denselben Traum und getrennt durch eine unüberwindbare Entfernung.

Ferne · Sehnsucht · Kontrast

Direkt anhören

Under Different Skies
Ohne Anmeldung
Gedicht und Verwandlungen lesen
Porträt Heinrich Heines
Historisches Porträt · Wikimedia Commons · gemeinfrei

Ausgangspunkt

Heinrich Heine

Vier Blicke auf dieselbe innere Bewegung: vom historischen Gedicht über die freie Deutung bis zum Songtext und seiner deutschen Rückübersetzung.

01 — Original

Ein Fichtenbaum steht einsam

Ein Fichtenbaum steht einsam Im Norden auf kahler Höh'. Ihn schläfert; mit weißer Decke Umhüllen ihn Eis und Schnee. Er träumt von einer Palme, Die, fern im Morgenland, Einsam und schweigend trauert Auf brennender Felsenwand.

02 — Neuinterpretation

Die innere Erzählung

Weit entfernt und doch im Geiste vereint, lebt einer im kalten Norden, weiter entfernt, als es erscheint. Der andere weilt im ständigen Sonnenschein, und doch wollen sie für immer verbunden sein. Und leben sie auch unerreichbar weit entfernt, so haben beide schon früh gelernt: Jede Nacht, im selben Traum, überwinden sie Zeit und Raum.

03 — English lyrics

Under Different Skies

High above the sleeping town winter lays its blanket down I keep dreaming through the night of a shore I'll never find Somewhere in the burning air you are standing lonely there Different winds and different lives turning under different skies Maybe dreams can cross the miles where our footsteps never will Maybe for a little while north and south are standing still Morning finds us where we are each beneath a distant star close enough to share the night far beneath our different skies

04 — Deutsche Rückübersetzung

Der englische Songtext auf Deutsch

Hoch über der schlafenden Stadt breitet der Winter seine Decke aus. Durch die Nacht träume ich weiter von einem Ufer, das ich niemals finden werde. Irgendwo in der brennenden Luft stehst du dort allein. Verschiedene Winde und verschiedene Leben drehen sich unter verschiedenen Himmeln. Vielleicht können Träume die Meilen überqueren, die unsere Schritte niemals überwinden werden. Vielleicht stehen für einen kleinen Moment Norden und Süden still. Der Morgen findet uns dort, wo wir sind, jeden unter einem fernen Stern: nah genug, um die Nacht zu teilen, weit unter unseren verschiedenen Himmeln.

IV

Rainer Maria Rilke

Der Panther

The Same Circle

Ein dunkler, hypnotischer Jazzsong über eingeschlossene Kraft, kreisende Bewegung und einen flüchtigen Blick auf eine unerreichbare Welt.

Enge · Kraft · Wiederholung

Direkt anhören

The Same Circle
Ohne Anmeldung
Gedicht und Verwandlungen lesen
Porträt Rainer Maria Rilkes aus dem Jahr 1900
Historische Fotografie (1900) · Wikimedia Commons · gemeinfrei

Ausgangspunkt

Rainer Maria Rilke

Vier Blicke auf dieselbe innere Bewegung: vom historischen Gedicht über die freie Deutung bis zum Songtext und seiner deutschen Rückübersetzung.

01 — Original

Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt. Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht, ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht. Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf —. Dann geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille — und hört im Herzen auf zu sein.

02 — Neuinterpretation

Die innere Erzählung

Ob als Schatten an der Wand oder Zeichen aus einem fremden Land – wenn du alles um dich herum nicht verstehst, weil du wie im Traum durchs Leben gehst, wenn stets der Schein die Wahrheit überwiegt und dein Blick sie nicht mehr sieht, bleibt manchmal nur ein Augenblick: Er holt dich ins Hier und Jetzt zurück, zeigt dir, was hinter allem liegt, bevor die Stille wieder siegt. Doch du kannst dich erheben und alles selber erleben. Statt nur den Worten zu vertrauen, kannst du mit eigenen Augen schauen. Lass die Schatten hinter dir, dreh dich um – sei jetzt und hier.

03 — English lyrics

The Same Circle

Every morning finds me here While the outside disappears Lines before me, lines behind Till the world slips from my mind Soft and certain, step by step All the power I have kept Round a center, cold and still Moves the body, sleeps the will Then a doorway opens wide One clear picture slips inside Sky and distance, leaf and flame For a moment have a name Same circle, same ground Same silence turning round I carry all this strength inside With nowhere left to run Through my shoulders, through my chest Moves the picture, comes to rest Reaches somewhere deep within Then the dark closes again Same circle, same night The world just out of sight A thousand ways to leave this place And not a single one Step by step Round and round Step by step Without a sound Same circle Same ground

04 — Deutsche Rückübersetzung

Der englische Songtext auf Deutsch

Jeder Morgen findet mich hier, während die Außenwelt verschwindet. Linien vor mir, Linien hinter mir, bis die Welt mir aus dem Sinn gleitet. Sanft und sicher, Schritt für Schritt, all die Kraft, die ich bewahrt habe. Um eine kalte, stille Mitte bewegt sich der Körper, schläft der Wille. Dann öffnet sich eine Tür weit, ein klares Bild gleitet hinein. Himmel und Ferne, Blatt und Flamme haben für einen Moment einen Namen. Derselbe Kreis, derselbe Boden, dieselbe Stille dreht sich weiter. Ich trage all diese Kraft in mir und kann nirgendwohin mehr fliehen. Durch meine Schultern, durch meine Brust bewegt sich das Bild und kommt zur Ruhe. Es reicht bis irgendwo tief in mir, dann schließt sich die Dunkelheit erneut. Derselbe Kreis, dieselbe Nacht, die Welt gerade außer Sicht. Tausend Wege, diesen Ort zu verlassen, und nicht ein einziger. Schritt für Schritt, rundherum. Schritt für Schritt, ohne einen Laut. Derselbe Kreis, derselbe Boden.

V

Johann Wolfgang von Goethe

Wandrers Nachtlied II

A Place For The Night

Eine Reise endet nicht im Schlaf, sondern in einem Moment innerer Ruhe. Aus Goethes schwebender Schlusszeile wird eine moderne Erzählung vom Ankommen.

Abend · Einkehr · Stille

Direkt anhören

A Place For The Night
Ohne Anmeldung
Gedicht und Verwandlungen lesen
Porträt Johann Wolfgang von Goethes von Joseph Karl Stieler
Joseph Karl Stieler · Wikimedia Commons · gemeinfrei

Ausgangspunkt

Johann Wolfgang von Goethe

Vier Blicke auf dieselbe innere Bewegung: vom historischen Gedicht über die freie Deutung bis zum Songtext und seiner deutschen Rückübersetzung.

01 — Original

Wandrers Nachtlied II

Über allen Gipfeln Ist Ruh, In allen Wipfeln Spürest du Kaum einen Hauch; Die Vögelein schweigen im Walde. Warte nur! Balde Ruhest du auch.

02 — Neuinterpretation

Die innere Erzählung

Ich unterbrach meine Reise, bevor der Abend mich umarmte. Die leeren Straßen hinter mir erinnerten sich noch vage an die Spuren, die ich auf ihnen hinterlassen hatte. Die Echos verklangen, eines nach dem anderen. Nichts blieb mehr als die Stille, die alles durchströmte. Ich musste nicht länger suchen. Ich spürte nur noch meinen Atem und wusste, dass ich endlich einen Ort für die Nacht gefunden hatte.

03 — English lyrics

A Place For The Night

Stopped before... the evening... knew my name... Empty streets... remembered... where I'd been... Still the echoes lost their distance one by one. Nothing left now but the silence moving through. No more searching only breathing I knew the night.

04 — Deutsche Rückübersetzung

Der englische Songtext auf Deutsch

Ich hielt inne, bevor der Abend meinen Namen kannte. Leere Straßen erinnerten sich, wo ich gewesen war. Noch verloren die Echos ihre Entfernung, eines nach dem anderen. Nichts blieb als die Stille, die hindurchzog. Kein Suchen mehr, nur Atmen. Ich kannte die Nacht.

VI

Friedrich Hölderlin

Hälfte des Lebens

When The Flowers Are Gone

Eine intime Jazzballade über fremde Blüte, schwindende Kraft und den eigenen Winter – bis die Frage nach der letzten Ruhe unausweichlich wird.

Blüte · Altern · Vergänglichkeit

Direkt anhören

When The Flowers Are Gone
Ohne Anmeldung
Gedicht und Verwandlungen lesen
Porträt Friedrich Hölderlins von Franz Carl Hiemer aus dem Jahr 1792
Franz Carl Hiemer · Pastell, um 1792 · Wikimedia Commons · gemeinfrei

Ausgangspunkt

Friedrich Hölderlin

Vier Blicke auf dieselbe innere Bewegung: vom historischen Gedicht über die freie Deutung bis zum Songtext und seiner deutschen Rückübersetzung.

01 — Original

Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget Und voll mit wilden Rosen Das Land in den See, Ihr holden Schwäne, Und trunken von Küssen Tunkt ihr das Haupt Ins heilignüchterne Wasser. Weh mir, wo nehm’ ich, wenn Es Winter ist, die Blumen, und wo Den Sonnenschein, Und Schatten der Erde? Die Mauern stehn Sprachlos und kalt, im Winde Klirren die Fahnen.

02 — Neuinterpretation

Die innere Erzählung

Um mich herum herrscht Frühling, so weit das Auge reicht. Und auch der Sommer findet bei vielen seine Zeit. In voller Blüte sehe ich sie überall, und ihre Kraft ergießt sich wie ein warmer, heller Schwall. Doch woher nehme ich sie? Wo finde ich sie noch? Schon jeder größere Schritt fällt mir so schwer. Der Herbst ist längst vergangen. Der Winter hat begonnen, sich leise seinen Weg durch meine Tage zu bahnen. Und manchmal glaube ich zu spüren: Selbst dieser Winter neigt sich schon. Wann wird die Stille kommen? Wann finde ich meine letzte Ruh?

03 — English lyrics

When The Flowers Are Gone

Around me, spring is waking as far as I can see And summer finds its season in everyone but me I see them all in blossom their colors burning bright Their strength comes pouring through them like rivers full of light But where am I to find it? Where could it still remain? Each step a little farther grows heavier again The autumn passed unnoticed the winter has begun to make its way in silence through all that I’ve become And sometimes I can feel it: this winter’s fading too When will the silence find me? When will my journey be through? When the flowers are gone and the colors disappear When the final wind is calling will I know that it is near? When the flowers are gone and the night has taken hold Will I finally find my resting place somewhere beyond the cold?

04 — Deutsche Rückübersetzung

Der englische Songtext auf Deutsch

Um mich herum erwacht der Frühling, so weit ich sehen kann. Und der Sommer findet seine Zeit in allen – nur nicht in mir. Ich sehe sie alle in Blüte, ihre Farben leuchten hell. Ihre Kraft strömt durch sie hindurch wie Flüsse voller Licht. Doch wo soll ich sie finden? Wo könnte sie noch geblieben sein? Jeder Schritt ein wenig weiter wird wieder schwerer. Der Herbst ging unbemerkt vorüber, der Winter hat begonnen, sich in aller Stille seinen Weg zu bahnen durch alles, was aus mir geworden ist. Und manchmal kann ich es spüren: Auch dieser Winter schwindet schon. Wann wird die Stille mich finden? Wann wird meine Reise zu Ende sein? Wenn die Blumen vergangen sind und die Farben verschwinden, wenn der letzte Wind mich ruft – werde ich wissen, dass es nahe ist? Wenn die Blumen vergangen sind und die Nacht mich ergriffen hat, werde ich endlich meinen Ruheplatz finden, irgendwo jenseits der Kälte?

VII

Rainer Maria Rilke

Schlußstück

He Knows Us By Name

Ein dunkler, intimer Jazzsong über den Tod, der mitten im Leben gegenwärtig bleibt – und über die befreiende Einsicht, ihm nicht schon heute jeden Tag überlassen zu müssen.

Gegenwart · Vergänglichkeit · Gelassenheit

Direkt anhören

He Knows Us By Name
Ohne Anmeldung
Gedicht und Verwandlungen lesen
Porträt Rainer Maria Rilkes
Historisches Porträt · Wikimedia Commons · gemeinfrei

Ausgangspunkt

Rainer Maria Rilke

Vier Blicke auf dieselbe innere Bewegung: vom historischen Gedicht über die freie Deutung bis zum Songtext und seiner deutschen Rückübersetzung.

01 — Original

Schlußstück

Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns.

02 — Neuinterpretation

Die innere Erzählung

Wir wähnen uns so oft im Glauben, der Tod könne uns noch nicht berauben. Wohl wissend, dass er stets präsent, dass er uns längst beim Namen kennt. Er plant und probt, er wütet und er tobt und nimmt dem Leben stets am Ende, wenn wir noch fest darinnen stehn, mit einem Mal die letzte Wende, die wir nicht einmal kommen sehn. Doch dessen dürfen wir gewiss sein: Es wird wohl niemals anders sein. Die Sorge um den Tod bleibt besser verbannt – es liegt am Ende nicht in unserer Hand.

03 — English lyrics

He Knows Us By Name

We wear the morning like a claim, as though the dark would stay away. Although we know he’s always there, we spend our hours without a care. We raise our glasses, make our plans, believing time is in our hands. But somewhere just beyond the light, he knows our names and waits outside. He plans his entrance, marks the floor, then tries the handle of the door. He storms and rages, then grows still, and waits behind the windowsill. He knows the lines we haven’t learned, the roads we took, the ones we turned. And while we’re laughing at the game, he waits — and knows us all by name. And when the room is full of sound, when both our feet have left the ground, he changes key without a sign and takes the ending out of time. [Instrumental] So let him keep the hour and place; I will not give him every day. The final turn is his to make, but all the music mine to play. No hand can hold what will not stay, no fear can keep the dark away. And still I’ll meet the morning flame — though he is near and knows my name. There is nothing left to fear; he has always waited here. We may never know the day — but he knows us by name. He knows us … by name.

04 — Deutsche Rückübersetzung

Der englische Songtext auf Deutsch

Wir tragen den Morgen, als gehöre er uns, als würde die Dunkelheit fernbleiben. Obwohl wir wissen, dass er immer da ist, verbringen wir unsere Stunden ohne Sorge. Wir erheben unsere Gläser, schmieden unsere Pläne und glauben, die Zeit liege in unseren Händen. Doch irgendwo, knapp jenseits des Lichts, kennt er unsere Namen und wartet draußen. Er plant seinen Auftritt, markiert seinen Platz und legt dann die Hand an die Türklinke. Er wütet und tobt, dann wird er still und wartet hinter dem Fensterbrett. Er kennt die Zeilen, die wir noch nicht gelernt haben, die Wege, die wir nahmen, und jene, von denen wir abbogen. Und während wir noch über das Spiel lachen, wartet er – und kennt uns alle beim Namen. Und wenn der Raum von Klang erfüllt ist, wenn wir beide Füße vom Boden gelöst haben, wechselt er ohne Vorzeichen die Tonart und nimmt das Ende aus der Zeit. [Instrumental] So soll er Stunde und Ort bestimmen; ich werde ihm nicht jeden Tag überlassen. Die letzte Wendung liegt bei ihm, doch all die Musik spiele ich. Keine Hand kann halten, was nicht bleiben wird, keine Angst kann die Dunkelheit fernhalten. Und dennoch trete ich der Flamme des Morgens entgegen – obwohl er nahe ist und meinen Namen kennt. Es gibt nichts mehr zu fürchten; er hat schon immer hier gewartet. Vielleicht werden wir den Tag niemals kennen – doch er kennt uns beim Namen. Er kennt uns … beim Namen.

VIII

Friedrich Gottlieb Klopstock

Die frühen Gräber

As Always

Eine langsam anwachsende Jazzballade über die Menschen, die viel zu früh gegangen sind – und über Erinnerungen, in denen ihre Stimmen den Weiterlebenden noch immer begleiten.

Verlust · Erinnerung · Fortleben

Direkt anhören

As Always
Ohne Anmeldung
Gedicht und Verwandlungen lesen
Porträt Friedrich Gottlieb Klopstocks
Johann Caspar Füssli · Wikimedia Commons · gemeinfrei

Ausgangspunkt

Friedrich Gottlieb Klopstock

Vier Blicke auf dieselbe innere Bewegung: vom historischen Gedicht über die freie Deutung bis zum Songtext und seiner deutschen Rückübersetzung.

01 — Original

Die frühen Gräber

Willkommen, o silberner Mond, Schöner, stiller Gefährt der Nacht! Du entfliehst? Eile nicht, bleib, Gedankenfreund! Sehet, er bleibt, das Gewölk wallte nur hin. Des Mayes Erwachen ist nur Schöner noch wie die Sommernacht, Wenn ihm Thau, hell wie Licht, aus der Locke träuft, Und zu dem Hügel herauf röthlich er kommt. Ihr Edleren, ach es bewächst Eure Maale schon ernstes Moos! O, wie war glücklich ich, als ich noch mit euch Sahe sich röthen den Tag, schimmern die Nacht.

02 — Neuinterpretation

Die innere Erzählung

So viele von euch sind schon gegangen, und es hat viel zu früh angefangen. Ich konnte euch nicht immer begleiten, die Zeit ließ sich nicht dazu verleiten, für einen Augenblick stillzustehn. Sie zog mich weiter – ich musste gehn. Wie gerne hätte ich euch heute bei mir, doch keiner von euch ist noch hier. So bleiben mir Erinnerung und Schmerz, und eine Wunde tief im Herz.

03 — English lyrics

As Always

[Verse 1] So many of you have gone before me, some of you much too soon. I still can see you around the table, I still can hear every tune. I could not follow where you were going; the days kept pulling me on. I learned to live with the empty places, but never to call you gone. [Pre-Chorus] Morning still comes through the window, evening still darkens the room. Time never asks for permission — it carries us on too soon. [Chorus] How I wish you were here beside me, how I wish I could hear your voice. But the world keeps turning without you, as if it never had a choice. All that remains are the memories, and the pain they leave behind. So many of you have gone before me, but you’re still walking through my mind. [Verse 2] Sometimes a face in a crowded doorway, sometimes a name in a song, brings back a moment I thought had vanished and suddenly you’re not gone. Then, for a breath, you are here beside me, the years fall out of the way. But just as I turn to reach out and touch you, the light carries you away. [Pre-Chorus] Morning still comes through the window, evening still darkens the room. Time never asks for permission — it carries us on too soon. [Chorus] How I wish you were here beside me, how I wish I could hear your voice. But the world keeps turning without you, as if it never had a choice. All that remains are the memories, and the pain they leave behind. So many of you have gone before me, but you’re still walking through my mind. [Bridge] I could not go where you were going. I had to stay, I had to live. And every year that stands between us takes something more than I can give. Still I carry all your voices; they rise whenever mine grows weak. Perhaps the dead are never silent — perhaps we only learn to hear them speak. [Instrumental] [Final Chorus] How I wish you were here beside me, how I wish I could hear your voice. And the world keeps turning without you, as if it never had a choice. All that remains are the memories, but love is also what they leave behind. So many of you have gone before me — and you’re still walking by my side. [Outro] So many of you … gone before me. Still walking … by my side.

04 — Deutsche Rückübersetzung

Der englische Songtext auf Deutsch

[Strophe 1] So viele von euch sind mir vorausgegangen, manche von euch viel zu früh. Noch immer sehe ich euch am Tisch sitzen, noch immer höre ich jede Melodie. Ich konnte euch nicht dorthin folgen; die Tage zogen mich weiter. Ich lernte, mit den leeren Plätzen zu leben, doch nie, euch wirklich fort zu nennen. [Vor-Refrain] Der Morgen fällt noch immer durchs Fenster, der Abend verdunkelt noch immer den Raum. Die Zeit fragt niemals um Erlaubnis – sie trägt uns viel zu früh davon. [Refrain] Wie sehr wünschte ich euch an meine Seite, wie sehr wünschte ich, eure Stimmen zu hören. Doch die Welt dreht sich ohne euch weiter, als hätte sie niemals eine Wahl gehabt. Was bleibt, sind die Erinnerungen und der Schmerz, den sie zurücklassen. So viele von euch sind mir vorausgegangen, doch in Gedanken geht ihr noch immer mit mir. [Strophe 2] Manchmal ist es ein Gesicht in einer vollen Tür, manchmal ein Name in einem Lied, der einen Augenblick zurückbringt, den ich verloren glaubte – und plötzlich seid ihr nicht mehr fort. Für einen Atemzug seid ihr wieder bei mir, und die Jahre treten beiseite. Doch gerade als ich mich umdrehe und nach euch greifen will, trägt das Licht euch wieder davon. [Vor-Refrain] Der Morgen fällt noch immer durchs Fenster, der Abend verdunkelt noch immer den Raum. Die Zeit fragt niemals um Erlaubnis – sie trägt uns viel zu früh davon. [Refrain] Wie sehr wünschte ich euch an meine Seite, wie sehr wünschte ich, eure Stimmen zu hören. Doch die Welt dreht sich ohne euch weiter, als hätte sie niemals eine Wahl gehabt. Was bleibt, sind die Erinnerungen und der Schmerz, den sie zurücklassen. So viele von euch sind mir vorausgegangen, doch in Gedanken geht ihr noch immer mit mir. [Bridge] Ich konnte nicht dorthin gehen, wohin ihr gingt. Ich musste bleiben, ich musste leben. Und jedes Jahr, das zwischen uns steht, nimmt mehr, als ich geben kann. Noch immer trage ich all eure Stimmen in mir; sie erheben sich, wenn meine schwach wird. Vielleicht schweigen die Toten niemals – vielleicht lernen wir nur, sie sprechen zu hören. [Instrumental] [Letzter Refrain] Wie sehr wünschte ich euch an meine Seite, wie sehr wünschte ich, eure Stimmen zu hören. Und die Welt dreht sich ohne euch weiter, als hätte sie niemals eine Wahl gehabt. Was bleibt, sind die Erinnerungen, doch auch Liebe ist das, was sie hinterlassen. So viele von euch sind mir vorausgegangen – und noch immer geht ihr an meiner Seite. [Outro] So viele von euch … mir vorausgegangen. Noch immer … an meiner Seite.

IX

Eduard Mörike

Septembermorgen

The Golden Years

Ein warm groovender Jazzsong über die Schönheit des Alters: Nicht nur der Frühling leuchtet – auch die Jahre des Herbstes können golden werden.

Lebensfreude · Herbstlicht · Frieden

Direkt anhören

The Golden Years
Ohne Anmeldung
Gedicht und Verwandlungen lesen
Porträt Eduard Mörikes
Bonaventura Weiß, 1851 · Wikimedia Commons · gemeinfrei

Ausgangspunkt

Eduard Mörike

Vier Blicke auf dieselbe innere Bewegung: vom historischen Gedicht über die freie Deutung bis zum Songtext und seiner deutschen Rückübersetzung.

01 — Original

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt, Noch träumen Wald und Wiesen: Bald siehst du, wenn der Schleier fällt, Den blauen Himmel unverstellt, Herbstkräftig die gedämpfte Welt In warmem Golde fließen.

02 — Neuinterpretation

Die innere Erzählung

Betrachte ich die Zahl der Jahre, wird mir mit jedem neuen klarer: Ein wahrhaft reich erfülltes Sein entsteht nicht durch die Kraft allein. Es ist das Leben selbst, das sich vor uns ausbreitet. Und bin ich dessen mir bewusst, erfüllt mich neue Lebenslust – eine Freude, die nur der erfährt, der lange schon auf Erden währt. Es ist nicht nur der Frühling, der uns die schönen Tage schenkt. Auch wenn der Herbst die Wege lenkt, können wir noch unbeschwert die Schönheit der Natur genießen, wenn goldene Sonnenstrahlen fließen und sich ins Bad der Farben gießen. Alles hat seine Zeit, und irgendwann ist es so weit. Wir sind ins Leben gekommen; die Wahl wird uns genommen, wann wir von hier wieder gehen. Niemand kann für immer bestehen. Und bin ich dessen mir bewusst, weicht jede Sorge aus der Brust. Es wächst ein Frieden, den erfährt, wer lange schon auf Erden währt.

03 — English lyrics

The Golden Years

As I count the years behind me, every season makes it clear: life is more than strength and courage, more than all we persevere. It was opening before me, wider than my eyes could see; life was there to carry me — still, the years grow golden. Spring is not the only season bringing beauty to our days. Autumn has a quieter splendor, golden light in every shade. See the sunlight touch the branches, watch the colors overflow. Nothing has to bloom forever — still, the years grow golden. Everything must have its season, every journey finds its end. We did not choose our beginning, nor how long our time would be. We are given days for living, not the hour when we must go. Nothing here can last forever — now, all my years are golden.

04 — Deutsche Rückübersetzung

Der englische Songtext auf Deutsch

Wenn ich die Jahre hinter mir betrachte, macht jede Jahreszeit mir deutlich: Das Leben ist mehr als Kraft und Mut, mehr als alles, was wir beharrlich ertragen. Es breitete sich vor mir aus, weiter, als meine Augen sehen konnten; das Leben war da, um mich zu tragen – noch immer werden die Jahre golden. Der Frühling ist nicht die einzige Jahreszeit, die unseren Tagen Schönheit schenkt. Der Herbst besitzt einen stilleren Glanz, goldenes Licht in jeder Schattierung. Sieh, wie das Sonnenlicht die Zweige berührt, sieh, wie die Farben überfließen. Nichts muss für immer blühen – noch immer werden die Jahre golden. Alles muss seine Zeit haben, jede Reise findet ihr Ende. Wir haben unseren Anfang nicht gewählt und auch nicht, wie lange unsere Zeit währen würde. Uns werden Tage zum Leben gegeben, nicht die Stunde, in der wir gehen müssen. Nichts hier kann ewig bestehen – nun sind all meine Jahre golden.

X

Joseph von Eichendorff

Mondnacht

Where The Sky Comes Down

Weite Landschaft, sinkendes Licht und die leise Sehnsucht nach einem Ort, an dem Himmel und Erde einander berühren.

Weite · Sehnsucht · Übergang

Direkt anhören

Where The Sky Comes Down
Ohne Anmeldung
Gedicht und Verwandlungen lesen
Porträt Joseph von Eichendorffs
Historisches Porträt · Wikimedia Commons · gemeinfrei

Ausgangspunkt

Joseph von Eichendorff

Vier Blicke auf dieselbe innere Bewegung: vom historischen Gedicht über die freie Deutung bis zum Songtext und seiner deutschen Rückübersetzung.

01 — Original

Mondnacht

Es war, als hätt' der Himmel Die Erde still geküßt, Daß sie im Blütenschimmer Von ihm nun träumen müßt'. Die Luft ging durch die Felder, Die Ähren wogten sacht, Es rauschten leis die Wälder, So sternklar war die Nacht. Und meine Seele spannte Weit ihre Flügel aus, Flog durch die stillen Lande, Als flöge sie nach Haus.

02 — Neuinterpretation

Die innere Erzählung

Während mich am Ende des Tages der Abend umfängt und sich der Himmel zu mir absenkt, beginnt selbst der Wind, meinen Namen zu vergessen. Alle Dinge, die der Tag einst besessen, sind längst ins Dunkel getaucht. Sie werden jetzt nicht mehr gebraucht. Ich brauche auch keine Erklärungen mehr: Wo geht alles hin, und wo kommt alles her? Ich erkenne inzwischen: Die Nacht ist nicht nur Dunkelheit. Nein, sie verfolgt meine Spur. Sie erinnert sich an mich. Die Stille, die mich jetzt umfängt und mich in die Nacht hineinlenkt, zeigt mir, dass ich keine Grenzen überschreiten muss. Es ist alles längst da und scheint sich für mich auszubreiten. Selbst der Himmel, den ich meinte finden zu müssen, kam schließlich auf mich zu und liegt nun zu meinen Füßen. Und alles fühlt sich an wie eine Reise nach Hause. Bleib … nur noch ein wenig …

03 — English lyrics

Where The Sky Comes Down

Dokumentierter Arbeitsstand

The evening leaned without a sound A distant light came drifting down The wind let go of every name The silent fields were not the same I stopped looking for reasons to believe the night was more than darkness It remembered me No voice remained to lead me through The quiet knew before I knew I crossed no line I traveled far until I found where the sky comes down And looking up for just one night it felt like home Stay... just a little longer...

04 — Deutsche Rückübersetzung

Der englische Songtext auf Deutsch

Dokumentierter Arbeitsstand

Der Abend neigte sich lautlos herab. Ein fernes Licht trieb langsam hinunter. Der Wind ließ jeden Namen los. Die stillen Felder waren nicht mehr dieselben. Ich hörte auf, nach Gründen zu suchen, um zu glauben, dass die Nacht mehr war als Dunkelheit. Sie erinnerte sich an mich. Keine Stimme blieb, um mich hindurchzuführen. Die Stille wusste es, bevor ich es wusste. Ich überschritt keine Grenze, ich reiste weit, bis ich den Ort fand, an dem der Himmel herabkommt. Und als ich aufblickte, nur für diese eine Nacht, fühlte es sich wie Heimat an. Bleib … nur noch ein wenig länger …

Epilog

Albumepilog

Odyssee und The Hidden Verses

The Song Knew The Way

Ein nächtlicher Heimweg als moderner Widerhall der Odyssee: Im letzten Song erkennt ein Musiker, dass die Melodie ihn durch alle Stationen des Albums begleitet hat.

Irrfahrt · Erinnerung · Wiedererkennung

Direkt anhören

The Song Knew The Way
Ohne Anmeldung
Gedicht und Verwandlungen lesen
Albumcover The Hidden Verses von Baltic Lounge Lizard
The Hidden Verses · Cover artwork

Ausgangspunkt

Albumepilog

Fünf Blicke auf den Abschluss: vom literarischen Gerüst über die innere Deutung und den Songtext bis zur Dramaturgie seiner zehn Abschnitte.

01 — Literarisches Gerüst

Odyssee und The Hidden Verses

Die Odyssee bildet das verborgene Gerüst dieser letzten Reise. Ein Mensch kehrt nach langer Irrfahrt heim und muss am Ziel nicht nur den Ort, sondern auch die eigene Identität wiederfinden. Der Song überträgt diese Bewegung in eine einzige Nacht. Nach seinem letzten Auftritt trägt ein älterer Musiker sein Instrument durch die Stadt. Straßen, Fenster, Stimmen und Erinnerungen spiegeln die zehn vorangegangenen Kapitel des Albums.

02 — Neuinterpretation

Die innere Erzählung

Der Heimweg beginnt als vertraute Strecke und wird allmählich zur Reise durch ein ganzes Leben. Die Stadt erinnert den Musiker an Erwachen, Liebe, Trennung, Gefangenschaft, Ruhe, Altern, Tod, Trauer und Annahme. Am Ende kann er weder einen Namen noch einen Beweis seiner Geschichte vorweisen. Eine verloren geglaubte Melodie erkennt ihn. Indem er ihr den fehlenden Ton zurückgibt, findet nicht nur der Weg, sondern das gesamte Album nach Hause.

03 — English lyrics

The Song Knew The Way

[Instrumental Intro] [Verse 1] The final glass was taken the chairs were upside down I carried out my old guitar into the sleeping town But somewhere in the cables beneath the empty street the city held a quiet song and placed it at my feet [Verse 2] I passed the corner where we met one early morning in May when every road inside of me was leading you my way For just a step I followed the light we used to know as if the years had turned around and let me watch them go [Chorus 1] I thought I knew the way home every corner, every light but the streets had changed their names somewhere in the night I thought I knew the way home I had walked it all my life but every road kept turning underneath a different sky [Verse 3] A figure crossed a window three stories from the ground I almost called your name aloud but never made a sound The light was warm above me the pavement cold and bare close enough to see a life too far to enter there [Verse 4] The same clock in the station the same unopened store the same man in the window glass I thought I’d passed before Step by step and round again my shadow kept the time the city wasn’t turning me the turning had been mine [Instrumental] [Chorus 2] Perhaps I lost the way home long before this final night when I learned to keep on moving without asking what was right Perhaps I lost the way home somewhere underneath those skies every road kept turning every truth wore my disguise [Verse 5] I rested at a doorway and set my burden down the silence moved between my hands the night breathed through the town It took me longer rising than I would care to say the flowers painted on the wall had lost their leaves to grey [Bridge] A man inside the window looked older than my name he moved his lips before I did but spoke to me the same Behind him at a table sat those who’d gone before they did not ask me to remain they only faced the door I heard them in the distance then walking by my side the dead had never lost their voices I had forgotten how to hear [Chorus 3] I never knew the way home though I walked it all my life every road was only turning toward this morning light Nothing has to last forever nothing disappears the night released the city and the road released my years [Outro] I reached the final doorway with no name left to give no story of the miles behind no proof of how I’d lived Then someone played a melody I thought the years had drowned I gave the song its missing note the door gave back the sound I thought I knew the way home through every sky I crossed but the song had always known me even when I was lost

04 — Deutsche Rückübersetzung

Der englische Songtext auf Deutsch

[Instrumentales Intro] [Strophe 1] Das letzte Glas war fortgeräumt, die Stühle standen umgedreht. Ich trug meine alte Gitarre hinaus in die schlafende Stadt. Doch irgendwo in den Kabeln unter der leeren Straße hielt die Stadt ein leises Lied bereit und legte es mir zu Füßen. [Strophe 2] Ich kam an der Ecke vorbei, an der wir uns trafen, an einem frühen Morgen im Mai, als jeder Weg in mir dich zu mir führte. Für einen einzigen Schritt folgte ich dem Licht, das wir einst kannten, als hätten die Jahre kehrtgemacht und ließen mich ihnen nachsehen. [Refrain 1] Ich dachte, ich kannte den Weg nach Hause, jede Ecke, jedes Licht. Doch die Straßen hatten irgendwo in der Nacht ihre Namen verändert. Ich dachte, ich kannte den Weg nach Hause, ich war ihn mein ganzes Leben gegangen. Doch jeder Weg drehte sich weiter unter einem anderen Himmel. [Strophe 3] Eine Gestalt ging an einem Fenster vorbei, drei Stockwerke über dem Boden. Beinahe hätte ich deinen Namen gerufen, doch kein Laut kam über meine Lippen. Das Licht über mir war warm, der Gehweg kalt und leer: nah genug, um ein Leben zu sehen, zu weit entfernt, um es zu betreten. [Strophe 4] Dieselbe Uhr im Bahnhof, dasselbe geschlossene Geschäft, derselbe Mann in der Fensterscheibe, an dem ich schon vorbeigekommen zu sein glaubte. Schritt für Schritt und wieder im Kreis hielt mein Schatten die Zeit. Nicht die Stadt drehte mich herum - die Drehung war in mir gewesen. [Instrumental] [Refrain 2] Vielleicht verlor ich den Weg nach Hause lange vor dieser letzten Nacht, als ich lernte, immer weiterzugehen, ohne zu fragen, was richtig war. Vielleicht verlor ich den Weg nach Hause irgendwo unter diesen Himmeln. Jeder Weg drehte sich weiter, jede Wahrheit trug meine Verkleidung. [Strophe 5] Ich ruhte mich in einem Hauseingang aus und legte meine Last ab. Die Stille bewegte sich zwischen meinen Händen, die Nacht atmete durch die Stadt. Das Aufstehen dauerte länger, als ich zugeben möchte. Die an die Wand gemalten Blumen hatten ihre Blätter an das Grau verloren. [Bridge] Ein Mann in der Fensterscheibe sah älter aus als mein Name. Er bewegte die Lippen vor mir, doch sprach er auf dieselbe Weise zu mir. Hinter ihm saßen an einem Tisch diejenigen, die vorangegangen waren. Sie baten mich nicht zu bleiben, sie wandten sich nur der Tür zu. Ich hörte sie in der Ferne und dann an meiner Seite gehen. Die Toten hatten ihre Stimmen nie verloren - ich hatte vergessen, wie man sie hört. [Refrain 3] Ich hatte den Weg nach Hause nie gekannt, obwohl ich ihn mein ganzes Leben gegangen war. Jeder Weg hatte sich nur diesem Morgenlicht entgegengedreht. Nichts muss für immer bleiben, nichts verschwindet. Die Nacht gab die Stadt frei, und der Weg gab meine Jahre frei. [Outro] Ich erreichte die letzte Tür, ohne noch einen Namen nennen zu können, ohne Geschichte über die zurückgelegten Meilen, ohne Beweis dafür, wie ich gelebt hatte. Dann spielte jemand eine Melodie, von der ich glaubte, die Jahre hätten sie ertränkt. Ich gab dem Lied seinen fehlenden Ton, und die Tür gab den Klang zurück. Ich dachte, ich kannte den Weg nach Hause durch jeden Himmel, den ich durchquert hatte. Doch das Lied hatte mich immer gekannt, selbst als ich verloren war.

05 — Dramaturgie

Die zehn Abschnitte

01

Verse 1 – Die Stadt ist nicht still

Der Musiker verlässt nach dem letzten Ton den Club. Instrumente, Gläser und Stimmen verstummen. Draußen beginnt er jedoch, Musik in den alltäglichen Geräuschen zu hören.

Bezug: A Song In Everything

Hier beginnt gleichzeitig die moderne Odyssee: Der Held bricht auf, ohne zu wissen, wie lang der Heimweg wird.

02

Verse 2 – Der Weg zu ihr

Die erste Straße erinnert ihn an den Menschen, zu dem früher alle Wege führten. Wir erfahren nicht, ob sie gestorben ist, ihn verlassen hat oder nur weit entfernt lebt.

Bezug: Springtime Feeling

Die Liebe erscheint als Richtung, nicht als Rückblende über eine ganze Beziehung.

03

Chorus 1 – Der vermeintlich bekannte Heimweg

Der erste Chorus ist noch geografisch: Der Erzähler glaubt, sich in der Stadt verirrt zu haben.

Bezug: Beginnende Trennung und erster Zweifel

04

Verse 3 – Die unerreichbare Nähe

In einem erleuchteten Fenster sieht er eine Gestalt. Für einen Augenblick glaubt er, die geliebte Person zu erkennen. Die Straße trennt beide wie zwei Welten.

Bezug: Under Different Skies

Das ist der subtile Odyssee-Moment der Verlockung: Er könnte stehen bleiben und in eine fremde Möglichkeit eintreten.

05

Verse 4 – Der Kreis

Er läuft weiter und kommt erneut an denselben Ort. Nun begreift er, dass nicht die Stadt ihn im Kreis führt. Er selbst wiederholt seit Jahren dieselben Bewegungen.

Bezug: The Same Circle

Nicht Poseidon oder die Stadt hält ihn auf. Sein eigener innerer Kreis tut es.

06

Chorus 2 – Das Eingeständnis

Der Chorus verändert sich. Jetzt geht es nicht mehr um Straßen. Der Erzähler erkennt, dass er sich bereits lange vor dieser Nacht verirrt hat.

07

Verse 5 – Die Rast und das Alter

Er setzt sich an einem Hauseingang oder auf einer Bank. Das Instrument liegt neben ihm. Beim Wiederaufstehen spürt er das Gewicht der Jahre.

Bezug: A Place For The Night und When The Flowers Are Gone

Rast und körperliche Endlichkeit gehören unmittelbar zusammen. Die gemalten Blumen an der Wand lassen das Motiv beiläufig und gegenwärtig erscheinen.

08

Bridge – Der Mann im Fenster und die Stimmen

Im Fenster sieht der Erzähler sein Spiegelbild. Dieses Gegenüber kennt seinen Namen. Hinter ihm werden die Stimmen der Verstorbenen hörbar.

Bezug: He Knows Us By Name, As Always und die Unterwelt der Odyssee

Die Verstorbenen wollen ihn nicht zu sich holen. Sie weisen zur Tür und schicken ihn weiter. Wie Odysseus in der Unterwelt erhält er Orientierung von den Toten.

09

Chorus 3 – Das goldene Morgenlicht

Nun kommt die Annahme. Die Melodie des Chorus bleibt erkennbar, während sich die Harmonie öffnet.

Bezug: The Golden Years

„Nothing has to last forever“ verbindet die späte Lebensannahme mit dem Wissen um den Tod. Das Morgenlicht macht ihn nicht wieder jung. Es lässt ihn sein Alter anders sehen.

10

Final Verse/Coda – Wiedererkennung

Er erreicht die Tür. Er hat keinen Namen und keine Erklärung mehr anzubieten. Von innen erklingt der Anfang einer Melodie. Er ergänzt den fehlenden Ton.

Bezug: Where The Sky Comes Down und A Song In Everything

Die Melodie übernimmt die Funktion von Odysseus’ Bogen: Sie erkennt den Heimkehrenden und führt zugleich das Ende des Albums zu seinem Anfang zurück.

03 — Der Prozess

Vom Vers
zum Song

  1. 01
    Lesen

    Das Gedicht wird auf Bilder, Bewegung und unausgesprochene Spannung untersucht.

  2. 02
    Neu erzählen

    Eine literarische Nacherzählung löst sich bewusst vom Wortlaut des Originals.

  3. 03
    Komponieren

    Text, Melodie und Harmonie entstehen gemeinsam – am Piano und im Moment.

  4. 04
    Aufnehmen

    Die Idee wird zur intimen Jazzaufnahme, in der auch Stille ein Instrument ist.

04 — Album Journal

August 2026 · Album Journal

Was zwischen den Versen geschah.

Zehn Gedichte wurden zu zehn Jazzsongs – und ein Epilog führt ihre musikalischen Inseln zu einer letzten Heimkehr zusammen. Ein Rückblick auf den verborgenen Weg durch „The Hidden Verses“.

Artikel lesen →

05 — Updates

Wenn ein neuer Vers sichtbar wird.

Erhalte ausgewählte Neuigkeiten zu neuen Stücken, Hörbeispielen und wichtigen Etappen des Albums. Kleine technische Änderungen an dieser Website bleiben still.